Warum macht ihr eigentlich keine richtigen Bücher? Oder: Die Sache mit dem Anspruch

Bild von DGlodowska / pixabay.com

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„Warum macht dein Verlag eigentlich keine richtigen Bücher?“

Das ist eine Frage, mit der ich in den beinahe zehn Jahren meiner Tätigkeit als Verlegerin öfter konfrontiert wurde, als ich zählen kann – und als mir persönlich lieb ist. Denn dieser Satz fällt nicht etwa in Bezug auf die Tatsache, dass wir auch eBooks im Programm führen, einige davon als rein digitale Publikation.

Nein, die meist in leicht ungläubigem Tonfall gestellte Frage folgt meist auf meine Aussage, dass mein Verlag auf die Veröffentlichung von Liebesromanen spezialisiert ist (und dabei ist noch kein Wort über unsere besondere Ausrichtung gefallen!).

Liebesromane = Schund?

Woran liegt es, dass einige Menschen dem Thema „Liebesromane“ mit einer gewissen Abwertung oder zumindest Skepsis entgegentreten, obwohl die Entstehung von Geschichten in allen Genres sehr ähnlich ist?

Ein Liebesroman durchläuft die gleichen Grundproduktionsschritte wie jeder andere Roman auch: Der Autor hat eine Idee, er muss Text aufschreiben und überarbeiten, der Text wird verändert, verändert und wieder verändert, bis aus ihm ein Buch wird. Je nach Komplexität des Handlungsortes müssen ebenso viele Stunden in Recherche und Beschaffung von Hintergrundinformationen gesteckt werden wie bei jedem anderen Buch.

Reine Unterhaltungsliteratur ist nicht anspruchsvoll

Ein in vielen Köpfen festsitzendes Bild von Romanzen ist kein besonders gutes. Schnell „runtergeschrieben“ und von Verlagen billig produziert, sind sie ein reines Konsumgut, das man ebenso schnell wieder vergisst, wie man es gelesen hat. Das trifft sicher auf einige Vertreter des Genres zu, wahrscheinlich aber auch auf ebenso viele Vertreter anderer Genres.

Billig ist aber prinzipiell gar nichts, wenn man sich in einem der verkaufsträchtigsten Genres der Welt bewegt (selbst in einer speziellen Nische wie unserer). Der Druck und die Konkurrenz sind groß und die Leserschaft will vor allem eins: gut unterhalten werden.

Der Anspruch des Lesers

Unterhaltung ist ein schwieriges Feld, denn jeder Mensch hat gewisse Vorlieben und Abneigungen, geht mit bestimmten Vorstellungen und individuellem Hintergrundwissen an ein Buch heran. Liebesromane sind im Grunde ein noch spezielleres Feld, denn sie haben zum Thema, was so viele Leute im Alltag beschäftigt: Emotionen.

Der wohl einzige Weg hierzu ist, bekannte Pfade zu benutzen, bekannte Bilder und Motive zu verwenden und aus ihnen doch eine neue, persönliche Geschichte zu schaffen.

Räder werden in der Buchbranche seit geraumer Zeit nicht mehr neu erfunden, es gibt nichts, was es noch nicht gab. Und doch verzaubern uns Bücher immer wieder aufs Neue.

Warum? Weil sie Emotionen in uns auslösen: Freude, Trauer, Glück, Verzweiflung, Anspannung, Erregung, das Gefühl des „mittendrin-seins“. Das Abschalten vom Alltag, das Eintreten in eine andere Realität, ohne dabei Logik und gesunden Menschenverstand außen vor zu lassen. Figuren müssen authentisch sein, aber sie sollen es besser, schöner, romantischer haben als der Durchschnittsmensch.

Alles dreht sich ums Gefühl

Es geht bei Romanzen nicht nur um schnöden Kitsch oder Liebe um der Liebe willen. Denn eigentlich steht in den meisten Liebesromanen die reine, ungeschminkte Liebe meiner Meinung nach erst an zweiter Stelle. Hoffnung, das ist es, was Liebesromane zu Liebesromanen macht. Die Hoffnung auf Glück, Vertrauen und Loyalität, auf Beständigkeit und Nähe.

Und hierbei sind die Leser alles andere als bloße Konsumenten immer wieder aufgewärmter Motive. Werden ihre Erwartungen nicht erfüllt und ihre Gefühle nicht bewegt, war die ganze Arbeit am Buch umsonst. Der Handlungsort kann noch so perfekt beschrieben, die Geschichte noch so durchdacht und die handwerkliche Umsetzung tadellos sein, wenn die Emotionen beim Leser nicht ankommen und er nicht mit in die Geschichte gezogen wird, wird er das Buch nicht mögen.

Richtig ist, was sich richtig anfühlt

Es ist oft mehr als anspruchsvoll, mit etwas nicht Greifbarem zu arbeiten, das für jeden Menschen individuell ist. Es gibt kein Patentrezept, keine Formel und auch keine Anleitung zur Erstellung des einen Liebesromans, der alle Leser in seinen Bann ziehen wird. Trends kommen und gehen, Wert- und Moralvorstellungen ändern sich und mit ihnen auch Lesegeschmäcker. Aber was vermutlich vom ersten bis zum letzten Liebesroman bleiben wird, ist der Anspruch, das Innerste eines Lesers zu berühren. Und was könnte richtiger sein als das?

Julia Schwenk

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Titelfinden leicht gemacht? Oder: Wie leergefegt Köpfe plötzlich sein können

Wir werden immer mal wieder gefragt, wie die (deutschen) Titel unserer Bücher entstehen. Deshalb möchten wir euch heute einen kleinen Einblick in diese manchmal recht knifflige Angelegenheit geben. Titel ist schließlich nicht gleich Titel, er ist – neben dem Cover – das Aushängeschild eines Buches.

Wir haben dabei für uns folgende Faustregel entwickelt:

Ein Titel sollte…

– … nicht schon existieren (Thema Titelschutz).

– … eine starke Verbindung zum Inhalt des Buchs haben.

– … keine Verwechslungsgefahr oder aber eine bewusste Ähnlichkeit mit schon vorhandenen Titeln besitzen.

– … rund klingen und geschrieben gut aussehen.

Schritt 1: Brainstorming

Es fühlt sich immer ein bisschen an wie Selbsthilfegruppe, wenn wir so mit 3-5 Frauen (je nach aktueller Besetzung im Büro) an unseren Tischen im Pseudo-Kreis sitzen, uns mal begeistert, mal ratlos und manchmal auch vollkommen verzweifelt anschauen. Dabei tragen wir alles zusammen, was mit Inhalt, Optik oder Figuren des Buchs zu tun haben kann (Emotionen, Motive, Stimmung, Symbole, etc.) und verewigen es in einer Mindmap.

mindmap_klang des Lebens

 

Schritt 2: (Sinnvolles) Sortieren

Wir diskutieren darüber, welches der Schlagwörter theoretisch am besten passt, am eindrücklichsten ist und sich gut verbinden lässt. Dabei spielen Faktoren wie Genre-Vokabular, Präzision, aber auch Klang und Form eine große Rolle.

Schritt 3: Bastelstunde

Jetzt geht es daran, den endgültigen Titel zu formen. Dabei spielen wir oft mit Redewendungen, grammatikalischen Beugungen oder schlicht (Teil)Satzmelodien. Wie fühlt sich etwas an, wenn man es ausspricht, welche Emotion weckt es, welche Erwartungen? Passt es zur Stimmung, die das Buch erzeugen will? Erreicht man den Teil der Leserschaft, den man damit ansprechen will?

Die Dauer des kompletten Prozesses ist von Buch zu Buch extrem unterschiedlich. Bei manchen Geschichten fährt der Geistesblitz innerhalb einer halben Stunde in unsere Runde, bei anderen vertagt man die Entscheidung auch schon mal, um eine (oder mehrere) Nächte darüber zu schlafen und noch einmal in sich zu gehen – oder wahlweise die grüne Fee zu konsultieren, wenn gar nichts mehr hilft 😉

Und wenn die Verzweiflung mal wieder überhandnimmt, weil einfach so gar nichts passen will, hilft immer noch die Flucht in den Humor – das und die Gewissheit, dass man das Titelrätsel schlussendlich immer irgendwann knackt, egal, wie widerspenstig es auch sein mag.

Warum machen wir unseren Job eigentlich?

Die für uns erste und naheliegendste Antwort darauf ist wohl:

Nicht wegen des Geldes!

Vielen ist nicht bewusst, wohin der Betrag, den ein Kunde für ein Buch zahlt, eigentlich „verschwindet“, wie er sich aufteilt und welche Kanäle davon bedient werden.

Deshalb haben wir uns entschlossen, heute eine Standardkalkulation von jeweils einem Print- und eBook-Titel zusammenzustellen, um das Ganze auch für euch transparenter zu machen. Wir haben hierfür in der Verlagsbranche übliche Durchschnittswerte verwendet.

Nehmen wir als ein Beispiel einen Titel mit 300 Manuskriptseiten an, der im Taschenbuch-Standardformat mit einer Erstauflage von 1.000 Stück gedruckt wird.

KalkulationEdit 15.04.2015: Die Mehrwertsteuer wurde korrigiert.

Nicht aufgeführt in dieser Tabelle ist die Tatsache, dass alle Lieferungen an den Großhandel versandkostenfrei erfolgen müssen, d.h., der Verlag trägt hier alle Portokosten.

Bücher machen bei Gewinnen unter 1€/Buch

Der Reingewinn bei einem Verkauf über unseren eigenen Online-Shop oder über Messen ist höher (bei ca. 3,50€/Buch). Bedenkt man jedoch, dass weit über 90% der Verlagsverkäufe über den Großhandel erfolgen – der ja auch z.B. Amazon und Buchhandlungen bedient –, ist dieser vergleichsweise „hohe“ Gewinn nicht viel wert und gleicht mit viel Glück die Kalkulation ein wenig aus.

Jeder kann sich vermutlich vorstellen, dass man von einem Durchschnittsgewinn von unter 1€ pro verkauftem Buch nicht wirtschaften kann.

Wie funktioniert dieses System also?

Großverlage machen das schlicht über die Masse. Zum einen haben sie größere Auflagen, zum anderen eine höhere Verkaufsquote. Unterm Strich bleibt allerdings auch einem Großverlag nur unwesentlich mehr Reingewinn pro Buch, da der Verkauf in der Regel ausschließlich über den Großhandel bzw. die Barsortimenter erfolgt und kein Direktverkauf stattfindet.

Nun sind wir ja kein Großverlag, weswegen das Thema eBooks für Verlage wie uns einen enorm hohen Stellenwert hat. Rund zwei Drittel unserer Verkäufe bestehen aus eBooks, nur ein knappes Drittel aus Printbüchern. Das könnte eine wunderbare Rechnung sein, schließlich sind die Daten für das eBook zum Printbuch ja „schon da“ und müssen „nur ein wenig aufgearbeitet werden“.

Die Masse macht’s – und eBooks

Ganz so einfach ist es dann doch nicht. eBooks zu erstellen, erfordert ein wenig Übung und auch dann immer noch einige Stunden an Arbeitszeit, da wir alle Titel in vier verschiedenen Formaten anbieten.

Wir haben hier exemplarisch die Kalkulation eines eBooks beim Verkauf über Amazon erstellt. Da das Autorenhonorar je nach Vertragsgestaltung sehr schwankt, nehmen wir als Durchschnittswert eine prozentuale Beteiligung von 25% an. Das ist ein Mittelwert aus den uns bekannten und für uns vertretbaren Tantiemen-Modellen.

Wir nehmen den gleichen Titel wie bei der obigen Print-Kalkulation an.

Kalkulation_2Die ersten 1.500 eBooks dienen allein zur Deckung der Kosten

Knapp drei Euro Durchschnittsverdienst pro eBook klingt zunächst sehr fürstlich, doch auch das relativiert sich schnell, wenn man bedenkt, dass bei einem Lizenztitel die ersten 500-1.500 eBooks (je nach Umfang des Manuskripts) allein in die Übersetzung fließen. Dazu kommt die redaktionelle Überarbeitung des Buches.

Bei einer deutschen Eigenproduktion werden die ersten 1000-1.500 eBooks für das Lektorat und die redaktionelle Bearbeitung des Manuskripts benötigt. Nicht eingerechnet ist hier die Arbeitszeit, die im Vorfeld in ein Buch investiert wurde, durch Betreuung des Autors, Lesen der verschiedenen Manuskriptfassungen in verschiedenen Stadien des Schreibens etc.

Bei beiden kommen zusätzlich noch die Datenverarbeitung des Textes zum eBook sowie der Umstand, dass andere Verkaufsplattformen durchaus mehr als 30% Einbehalt fordern.

eBooks: Bücher zweiter Klasse?

Zudem fällt ins Gewicht: Auf eBooks werden 19% Mehrwertsteuer erhoben und damit über das Doppelte als bei Printbüchern (7%).

Normalerweise werden das Cover, Satz/Layout des Innenteils und die Werbung sowohl von Print- als auch von eBook-Verkäufen finanziert, aber auch hier übernimmt das eBook den Löwenanteil der Kosten (siehe geringer Reingewinn am Printbuch oben).

Der Verlag schießt vor

Wenn wir einen Durchschnittswert nach Abzug aller Kosten ermitteln müssten, könnte man davon ausgehen, dass der Verlag etwa ab zwei Dritteln der Printauflage und etwa ab 1500-1800 eBooks anfängt, komplett kostendeckend zu arbeiten und Geld für die Rundumlogisitik wie Mitarbeiter, Büro, Lager, Homepage, Messeauftritte etc. zu erwirtschaften.

Und: Nicht jedes Buch verkauft sich gleich gut, nicht jedes Buch setzt sich sofort an die Spitze der Verkaufszahlen und der Verlag setzt sich immer dem Risiko aus, dass Auflagen nicht verkauft werden oder Bücher auch über die eBooks ihre Kosten nicht einspielen.

Der Verlag geht dabei mit allen Kosten in Vorleistung, sei es nun Lektorat, Cover-, Druckdatei- und eBook-Erstellung, Werbung und natürlich die Druckkosten für die Erstauflage.

Warum wir diesen Job dennoch machen?

Weil es unglaublich befriedigend ist, ein Buch in den Händen (auch in den virtuellen ;-)) zu halten, an dem man selbst mitgewirkt, das man auf den Weg gebracht und ins Leben geholt hat. Weil es zwar ein steiniger Weg ist, Autoren und Leser einem aber immer wieder neue Motivation geben, es noch besser zu machen und noch mehr herauszuholen. Weil wir – auch nach fast zehn Jahren – immer noch Fans und Leser sind und diese Freude mit anderen teilen möchten.

Auf dem Cursed-Sofa mit… Uta Stanek

Interviews auf dem Cursed-SofaFür das heutige Interview haben wir eine unserer Übersetzerinnen gebeten, sich euren Fragen zu stellen. Dazu habt ihr uns über Facebook, Twitter, E-Mail etc. eure Fragen geschickt und wir haben acht Fragen davon ausgesucht.

Und damit herzlichen willkommen auf unserem roten Cursed-Sofa: Uta Stanek!

1.) Bist du hauptberuflich Übersetzerin? Arbeitest du noch für andere Verlage?

Sommersonne_Catt_FordNein und nein. Wie bei den meisten Sachen, die einem Spaß machen, mache ich auch die Übersetzungen nebenberuflich. Ich weiß auch nicht, ob ich das hauptberuflich machen wollen würde. Um das Pensum zu schaffen, um gut nur davon leben zu können, müsste ich wahrscheinlich so viel arbeiten und Aufträge annehmen, die mir persönlich nicht zusagen, dass der Spaß an der Sache dabei verloren gehen würde.

Und nein, derzeit arbeite ich nur für den Cursed Verlag. Ganz abgesehen von der Thematik (sonst gibt es ja nicht so viele Verlage, die lizensierte Gay Romance in diesem Ausmaß veröffentlichen) gefällt mir persönlich da die Titelauswahl auch am besten 🙂

2.) Hast du das Übersetzen gelernt?

Wie_Schnee_in_der_Sonne_Pepper_EspinozaNein, für den Beruf als Übersetzerin habe ich nicht studiert. Alles hat mit meinem Faible für das englische Wort und die englische Sprache im Allgemeinen angefangen – ein Faible, das sich zugegebenermaßen erst nach der Schule entwickelt hat. Ich habe reihenweise englische Romane verschlungen, Fanfiktion gelesen oder auch englische Filme und Serien gesehen. Daraus hat sich ein sehr gutes Gespür für die englische Sprache entwickelt.

Hinzu kommt, dass ich bereits selbst zuerst Fanfiktion und später eigene Romane (in Deutsch allerdings) veröffentlicht habe. Die Kombination aus beidem hat mich schließlich zu dem Nebenjob als Übersetzerin gebracht.

3.) Stehst du mit den Autoren, die du übersetzt, in Kontakt?

Nein, die Kommunikation bei Problemen oder Fragen läuft über den Verlag bzw. die Lektorin, die das jeweilige Projekt betreut. Sie koordiniert meine Anfragen und leitet die Antworten an mich weiter. Privat verfolge ich jedoch die Blogs und Facebook-Seiten einiger Autoren, die ich auch übersetzt habe.

4.) Was macht dir am Übersetzen Spaß?

Adobe Photoshop PDFHm, das Übersetzen an sich. Also, Wörter für einen Satz zu finden und ihn dann in eine schöne Form zu gießen, die dem Englischen entspricht. Hier kann man kreativ werden, ohne wie z.B. beim Schreiben eine kreative Höchstleistung abliefern zu müssen – das hat ja schon der Autor getan.

Man muss sich keine Gedanken um den Plot machen oder geistreiche Dialoge schreiben etc. – alles schon passiert. Man muss es nur noch in seiner Sprache hinschreiben. Zur Abwechslung kann das sehr entspannend, manchmal aber auch höchst inspirierend sein.

5.) Worin besteht die Schwierigkeit beim Übersetzen?

Adobe Photoshop PDFEs gibt viele englische Phrasen oder auch Wörter, für die das Deutsche keine 1-zu-1-Übersetzung bietet, die dem Original gerecht wird. Dieses Problem taucht zum Beispiel bei Sprichwörtern, Redewendungen oder auch Witzen auf. In dem Fall heißt es, selbst kreativ zu werden. Schade ist dabei, dass manchmal der Witz oder auch die eigentliche Bedeutung aus dem Original verloren gehen. Den Sinnzusammenhang dann zu erhalten, ist eine nicht immer ganz einfache Aufgabe.

Außerdem kommt es natürlich durchaus vor, dass ich englische Wörter nicht kenne. Aber zum Glück gibt es da ja noch Wörterbücher und das World Wide Web zu Recherchezwecken…

6.) Musst du beim Übersetzen selbst kreativ werden oder ist das eher Technik?

Adobe Photoshop PDFTeils, teils und kommt stark auf das Projekt an. Es gibt Bücher, die sich „einfacher“ übersetzen lassen als andere. Entscheidend dafür ist tatsächlich, wie stark der Autor schon im Original mit Sprache spielt. Verwendet er viele Wortspiele, implizierte Aussagen, Untertöne, Redewendungen und Wortwitze, muss man bei der Übersetzung mitunter schon recht kreativ werden, um eine Entsprechung im Deutschen dafür zu finden.

Adobe Photoshop PDFAußerdem ist die Technik – also das Übertragen der korrekten Wortübersetzung in die eigene Sprache – ja nur die halbe Miete, die einem im Zweifelsfall ein Wörterbuch enorm erleichtert.

Der viel schwierigere Teil ist die Aufgabe, es „schön“ zu machen, also zum einen den Schreibstil des Originalautors abzubilden, zum anderen aber auch Stimmung, Emotionen und Tonfälle zu treffen – und das auch noch in möglichst schönem, passendem Deutsch!

7.) Kommt nach der Übersetzung noch ein Arbeitsschritt oder wird das genau so veröffentlicht?

Ueber_drei_Ecken_Alix_BekinsNach meiner Übersetzung geht die Arbeit für den Verlag erst richtig los. Wenn ich fertig bin, geht das übersetzte Manuskript ins Lektorat, wo es einen ähnlichen Prozess durchläuft wie das Buch eines deutschen Autors. Einzige Ausnahme: Inhaltliche Veränderungen können natürlich nicht vorgenommen werden, aber sprachlich wird das Ganze „geglättet“ und die Fehler ausgebügelt, die mir beim Tippen und Nachkorrigieren gar nicht aufgefallen sind.

Das Hirn produziert beim Arbeiten manchmal die lustigsten Dinge, die einem auch nach wiederholtem Lesen nicht auffallen, einem „fremden“ Leser jedoch durchaus. So wird die Betriebsblindheit umgangen, die man sehr oft bekommt, wenn man lange auf einen Text starrt und mit ihm arbeitet.

8.) Übersetzt du auch vom Deutschen ins Englische?

Ein ganz klares Nein. Das würde ich mir auch nicht zutrauen, da Deutsch meine Muttersprache ist und nicht Englisch. Ich finde, es ist etwas anderes, ob man einen englischen Text liest, erfasst und versteht oder ob man der Urheber ist. Viele Dinge, die wir im Deutschen sagen, sagt man so ja auch gar nicht im Englischen (genauso auch umgekehrt). Dafür die richtigen Entsprechungen (oder überhaupt die richtigen Worte) zu finden, finde ich schwieriger als andersherum.

Vielen Dank an Uta Stanek, dass du dir Zeit für unsere Fragen genommen hast!

Uta Stanek hat bei uns Herz nach Maß, Teeträume sowie aus der Soulmates-Reihe Band 2 und Band 3 übersetzt. Von unseren Kurzromanen, die wir als reines E-Book rausgebracht haben, stammen die Übersetzungen von Sommersonne, Über drei Ecken und Wie Schnee in der Sonne von ihr.

In der nächsten Woche erwartet euch ein weiteres Interview mit einer weiteren unserer Autorinnen: Nora Wolff! Die Fragerunde für Nora ist hiermit eröffnet. Schickt uns eure Fragen gerne per Mail, Facebook oder Twitter oder stellt sie einfach direkt hier unter dem Beitrag.

Wir wünschen euch ein schönes Wochenende!

Bildnachweis: Das Beitragsbild stammt von condesign/Pixabay

Auf dem Cursed-Sofa mit… Karo Stein

Cursed-SofaEs ist wieder Fragefreitag und ihr habt uns über Facebook, Twitter, E-Mail etc. Fragen gestellt, die wir gerne an die Autorin weitergeleitet haben. Neun Stück haben wir insgesamt für euch ausgewählt.

Und damit herzlich willkommen auf dem roten Cursed-Sofa: Karo Stein!

1.) Wirst du noch einmal an MargeritenEngel bzw. an was mit Bengt und Rik weiterschreiben?

Man soll ja niemals nie sagen, aber im Moment ist in dieser Hinsicht nichts geplant und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich daran etwas ändern wird. Allerdings weiß ich auch, wie schnell sich solche Dinge ändern können, wenn ein Plotbunny angesprungen kommt und sich hartnäckig festbeißt. Aber grundsätzlich: nein.

2.) Kevin, die Hauptfigur von WhiskeyTeufel, war ja im Vorgängerbuch MargeritenEngel nicht gerade sympathisch. Hattest du schon damals die Idee zu einer möglichen Fortsetzung mit ihm?

Es ist beinahe passend zur ersten Frage, denn ich habe keine Sekunde darüber nachgedacht, dass es eine Geschichte mit Kevin geben könnte. Da der MargeritenEngel ein sehr persönliches Buch war, mit dem ich mich gewissermaßen freigeschrieben habe, hätte ich zum damaligen Zeitpunkt eine Fortsetzung mit Kevin in der Hauptrolle nicht in Erwägung gezogen.

Aber genau dieses Freischreiben und gewissermaßen Loslassen hat wohl dazu geführt, dass plötzlich eine Idee entstand und sie immer deutlichere Formen annahm. Soll ich das triumphierende Grinsen von Julia erwähnen, als ich ihr ganz vorsichtig erklärt habe, dass ich Kevins Geschichte aufschreiben möchte? Ich konnte es durch den Telefonhörer hören, spüren und sehen…

3.) Du schreibst ja sowohl Kurzgeschichten als auch Romane – kurz oder lang, was ist dir lieber?

Adobe Photoshop PDFEigentlich beides. Ich mag kurz. Ich mag es, in eine Situation hineinzuschreiben, mir nur wenig Gedanken über den Hintergrund der Charaktere zu machen und sie gewissermaßen schnell zum Ziel, sprich zu einem Happy End zu bringen. Wobei ich in letzter Zeit feststellen muss, dass meine Kurzgeschichten immer länger werden. Meistens kann ich froh sein, wenn ich unter 10.000 Wörtern bleibe.

So richtig lang habe ich bisher noch nie geschrieben, also mit ganz großen Wälzern kann ich nicht dienen. Tatsächlich ist der WhiskyTeufel vom Umfang bisher die größte Geschichte. Das ist auch ein tolles Gefühl, aber es muss halt anders geplant werden.

Ich habe ja ein paar Schwächen, was Namen und Hintergrundwissen anbelangt. Obendrein schreibe ich nach Gefühl, sprich, ich habe meist nur einen sehr kleinen Plan. Da stößt man bei einem größeren Projekt schnell an Grenzen, aber ich bin lernwillig und bastle fleißig an Lebensläufen und Stammbäumen.

4.) Hast du derzeit neue Projekte in Planung?

Ich bin voller Energie und hoffe, das hält noch eine Weile an. Es wird ein neues Verlagsprojekt geben, auf das ich mich schon sehr freue. Ich bin gespannt, wie es sich entwickeln wird. Außerdem sind mit der Kuschelgang noch weitere Anthologien in diesem Jahr geplant, an denen ich teilnehmen möchte.

Derzeit beginne ich mit dem zweiten Teil zu positiv verliebt und dann gibt es noch eine kleine Serie von mir. Also ja, ich habe Pläne und gebe mir alle Mühe, sie umzusetzen.

5.) Hörst du Musik beim Schreiben? Wenn ja, welche?

Ich höre meist Musik, schon allein, um die Hintergrundgeräusche zu Hause ein bisschen auszublenden. Es wechselt immer, aber seit einer ganzen Weile sind es Plastic Autumn und The Cure, die mir wunderbare Dienste als Schreibhintergrund leisten.

6.) Sind deine Geschichten aus dem Leben gegriffen? Verarbeitest du reale Ereignisse darin?

Adobe Photoshop PDFIch beobachte gern Leute und manchmal verarbeite ich diese Beobachtungen in meinen Geschichten. Natürlich ist es leichter, über Dinge zu schreiben, bei denen man sich auskennt oder die man in irgendeiner Form erlebt hat. Aber grundsätzlich ist alles Fiktion. Die einzige Ausnahme bildet der MargeritenEngel. Diese Geschichte ist in großen Teilen extrem persönlich, allerdings nicht von mir durchlebt. Trotzdem hoffe ich natürlich bei jedem Buch, dass es ein Mindestmaß an Realität hat und irgendwo auf der Welt genau so stattfinden könnte.

7.) Du hast – im Vergleich zu vielen anderen Autoren der GayRomance-Szene – recht viele öffentliche Auftritte (Signierstunden, Lesungen, etc.). Was motiviert dich dazu?

Habe ich das? Darüber habe ich ehrlich gesagt noch gar nicht nachgedacht. Ich mag Lesungen. Es macht riesigen Spaß und ich hätte am liebsten noch viel mehr davon. Selbst vor zwei oder drei Leuten zu lesen, macht mir nichts aus, aber natürlich ist ein einigermaßen gefüllter Raum besser. Nach einer Lesung bei den Tagen der Akzeptanz in Greifswald bekam ich von einer der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz einen Button auf dem „Rampensau“ stand und ich glaube, das trifft es irgendwie ein bisschen. Auch wenn ich dabei unglaublich aufgeregt und nervös bin.

Die Signierstunden auf der Leipziger Buchmesse sind auch großartig. Das ist so unfassbar für mich, dass ich wirklich ganz lange von diesem positiven Gefühl zehre.

Meine Motivation ist daher vermutlich der Spaß, aber auch die Tatsache, dass es immer noch unglaublich wichtig ist, den Leuten schwule Geschichten näher zu bringen.

8.) Weiß dein (familiäres) Umfeld von deiner Schreibtätigkeit? Wenn ja, wie haben Sie auf das Thema deiner Werke reagiert?

Am Anfang habe ich nur meinem Mann davon erzählt. Da war alles so neu und ich hatte auch keine Ahnung, wohin die Reise gehen würde. Als ich den ersten Vertrag vom Cursed Verlag in der Tasche hatte, war mir klar, dass ich es nicht mehr geheim halten will. Es war beinahe so etwas wie ein Outingmoment. Die Reaktionen in meinem Umfeld waren bisher überwiegend positiv und neugierig. Und mein Mann unterstützt und stärkt mich in jeder Hinsicht.

9.) Liest du viele GayRomance-Bücher? Und welche anderen Genres liest du außerdem?

Ich verschlinge Gay-Romance-Bücher. Mein Reader verlangt ständig nach neuem Futter. Hin und wieder lese ich Krimis, besonders die nordischen haben es mir angetan. Aber die schwule Literatur bestimmt im Moment vollkommen mein Leseverhalten.

Vielen Dank an Karo Stein, dass du uns Rede und Antwort gestanden hast!

Alle Bücher von Karo findet ihr bei uns im Shop, ihre freien Online-Geschichten bei fanfiktion.de. Außerdem könnt ihr mehr über Karo auf ihrem Blog erfahren oder ihr vernetzt euch mit ihr auf Facebook.

In der nächsten Woche erwartet euch hier an dieser Stelle ein Interview mit einer unserer Übersetzerinnen: Uta Stanek. Die Fragerunde ist jetzt eröffnet. Alles, was ihr jemals über das Thema Übersetzungen wissen wolltet: Stellt uns eure Fragen per Facebook, Twitter oder E-Mail!

Bildnachweis: Das Beitragsbild stammt von condesign/Pixabay