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Als wir dieses Thema in unser Vorhaben mit aufgenommen haben, war uns nicht klar, wie schwer es sein würde, einen Artikel dazu zu schreiben. Kreative Werke und die Kritik an ihnen sind ein sensibles Thema, das nicht zuletzt in den sozialen Medien immer wieder riesige Diskussionen und manchmal sogar Shitstorms auslöst. Die Rede ist schnell von der „Rezimafia“ auf der einen und den „unprofessionellen Autoren“ auf der anderen Seite. Aber warum ist das eigentlich so?

Es könnte alles so einfach sein

Eigentlich ist es doch recht einfach: Ein Buch ist ein Produkt. Wir als Verlag bzw. ein Autor stellt das Produkt her und verkauft es an Leser, die Geld für das Produkt bezahlen. Jeder Käufer hat das Recht, Feedback zu geben und Kritik zu äußern. Manchmal gefällt ihm das gekaufte Buch nicht, was er ebenso kundtun darf, wie Lob auszusprechen. Im Idealfall tut er das höflich und neutral formuliert, wenn auch natürlich subjektiv, da Rezensionen immer nur die persönliche Meinung des Schreibers wiedergeben können. Wir als Hersteller nehmen die Kritik an, ziehen unsere Schlüsse für die Zukunft daraus und verbessern uns damit.

Das Problem der Emotionen

Es ist eine hübsche Theorie, aber leider funktioniert sie in der Praxis eher selten. Ein Buch ist nicht nur ein simples Produkt, kein Alltagsgegenstand, sondern eine Mischung aus menschlicher Kreativität und Handwerk, aus vielen Stunden, Wochen und Monaten, manchmal Jahren der intensiven (Zusammen-)Arbeit. Sowohl Autor als auch Verlag sind sehr mit ihren Büchern verbunden, identifizieren sich mit ihnen und meist steckt mehr von uns in den Werken, als man auf den ersten Blick meinen möchte.

Der Leser auf der anderen Seite geht mit einer gewissen Erwartungshaltung an das Buch heran, sei es nun in Bezug auf Inhalt, Schreibstil oder Qualität. Er bezahlt Geld für eine Leseerfahrung, die ihm schöne, dramatische, spannende oder romantische Stunden bereiten und ihn aus seinem Lebensalltag herausholen soll. Er will entführt und verzaubert werden.

Zwei Welten, ein gemeinsamer Weg

Eines ist uns allen klar: Ohne Autoren gibt es keine Bücher, die man lesen kann. Ohne Leser können die Autoren für niemanden schreiben. Allerdings sehen Autoren und Leser das betreffende Buch jeweils von einem vollkommen anderen Standpunkt aus.

Wie Autoren ihre Geschichten in den Grundzügen oft „aus dem Bauch heraus“ anlegen, so schreiben Leser ihre Meinung oft aus dem Gefühl heraus, mit dem sie das Buch zuklappen – oder auch einmal unbeendet weglegen.

Trifft die Enttäuschung des Lesers nun, vielleicht auch entsprechend hart formuliert, den Autor, spitzt sich die Lage zu. Fängt der Autor dann noch an, öffentlich gegen den Rezensenten „zurückzuschießen“ und sei es auch unabsichtlich, ist der Super-GAU fast vorprogrammiert. Daraus entsteht furchtbar schnell ein schlimmer Teufelskreis aus frustrierten Autoren, die sich so unter Umständen einen schlechten Ruf zuziehen, und frustrierten Lesern, die künftig weniger oder gar keine Rezensionen mehr schreiben und den betreffenden Autor meiden. Aus weniger Rezensionen ergibt sich weniger Feedback für den Autor.

Abstand kann eine Brücke schlagen

Ein Weg, aus diesem unangenehmen Spannungsverhältnis auszubrechen, ist Abstand. Auch negative Rezensionen bringen einen weiter, allerdings oft nur, wenn man sie mit einer gewissen, manchmal auch zeitlichen Distanz betrachtet, angeht und das für sich Sinnvolle herauszieht.

Immer wieder gibt es auch Fälle, in denen man schlicht nichts für sich aus einer Rezension ziehen kann, weil der Rezensent außer der Tatsache, dass ihm das Buch nicht gefallen hat, keine Anhaltspunkte auf die Hintergründe gibt oder möglicherweise sogar beleidigend oder ausfallend wird. Dabei kann man auch harte Kritik durchaus sinnvoll und höflich formuliert verpacken.

Mit dem Verkauf von Büchern geht auch eine Verpflichtung zur Professionalität einher, der sich kein Autor und Verlag entziehen kann, wenn er dauerhaft vor dem kritischen Leserauge bestehen will.

Durch ein entspanntes Miteinander von Autoren, Verlag und Lesern kann so viel geschaffen werden, dass es schade ist, wenn dieses Potential verschenkt wird. Auf einer gemeinsamen Basis der Höflichkeit kann eine Ebene entstehen, die für alle Seiten einen Mehrwert hat, nicht zuletzt ein gesteigertes Schreib-, Lese- und Rezensionsvergnügen.

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