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Cursed-SofaZur Eröffnung unseres Blogs starten wir mit einem Interview mit unserer Autorin A.C. Lelis. Sie macht den Anfang unserer neuen Interview-Reihe, die wir euch ab heute jeden Freitag präsentieren. Dazu haben wir euch gebeten, uns über Facebook, Twitter, per Mail etc. Fragen einzuschicken, und wir haben aus allen Einsendungen zehn Fragen ausgewählt, die Lelis für euch beantwortet hat.

Damit räumen wir nun unser rotes Cursed-Sofa und freuen uns auf A.C. Lelis!

1.) Wolltest du schon immer Autorin werden? Ist das dein Traumberuf?

Ich habe viel Spaß daran, mir Geschichten auszudenken und sie niederzuschreiben. Das wollte ich schon als Kind machen und ich tue es dementsprechend auch schon recht lange.

Mich selbst deshalb als Autor zu bezeichnen, fällt mir immer noch recht schwer. Ich denke einfach, ein Buch zu veröffentlichen, macht noch keinen Autoren. Dazu machen einen erst eine entsprechende Anzahl an Lesern, die das Buch gut finden und auf die nächsten Bücher warten.

Vielleicht habe ich diese Anzahl sogar schon erreicht, aber von den großen Autoren trennen mich immer noch Welten und ich denke, dafür ist mein Ehrgeiz auch nicht groß genug. Ich möchte lieber weiter in meinem kleinen Nischengenre herumtoben und nie den Spaß am Schreiben verlieren.

2.) Wie bist du auf Fanfiktion.de gekommen? Hast du dort deine ersten Geh-/Schreibversuche gemacht?

Mich hat eine Leserin auf das Archiv aufmerksam gemacht und damit beantwortet sich wohl auch schon die nächste Frage: Nein, ich habe mich davor schon am Schreiben versucht.

Ich gehöre zu denen, die schon einige Sache geschrieben haben, ehe sie das Internet und damit Gleichgesinnte entdeckt haben. Allerdings habe ich immer eher für mich geschrieben und meine ersten Sachen hat, wenn überhaupt, nur eine Freundin von mir zu sehen bekommen und zwar im fairen Austausch gegen ihre Sachen. Das war super: So ein beinahe intimer Austausch der ersten Werke ist sehr hilfreich, motivierend und man stellt sich nicht gleich vor einem großen Publikum bloß.

Es war zumindest für mich das Richtige. Wir haben uns damals gemeinsam entschlossen, die ersten Geschichten ins Netz zu stellen. Zunächst nicht unsere Originale, weil wir uns das nicht getraut haben, sondern Fanfiktion auf yaoi.de.

Dann hat meine Freundin boyxboy.de entdeckt und ich habe es gewagt, ein Kapitel von mir dorthin zu schicken, um es online stellen zu lassen. Tatsächlich habe ich dann ein paar Emails bekommen und daraus entstanden nette Kontakte, von denen mich einer dann auf ff.de aufmerksam gemacht hat, wo es mehr Leser und Funktionen gab.

3.) Wie kam es zu deinen Veröffentlichungen?

Wieder durch eine Leserin. Das klingt so, als wäre ich sehr passiv. Bin ich vielleicht auch ein bisschen. Ich hätte selbst nicht unbedingt schon gewagt, meine Geschichten an einen Verlag zu schicken, und wollte mich lieber noch weiter verbessern. Jedenfalls kannte die eine Leserin Simon von Deadsoft, hat ihn auf Weinrot aufmerksam gemacht und so kam es dazu, dass Weinrot dort veröffentlicht wurde.

Vorsicht NachsichtBeim Cursed Verlag habe ich ziemlich interessiert verfolgt, wie das erste Buch von Nora rausgebracht wurde, deren Geschichten ich sehr gerne mag. Das Ergebnis hat mich überzeugt und ich war gerade soweit, dass ich mich trauen wollte, dem Verlag Vorsicht Nachsicht als Manuskript zu schicken.

Doch kurz bevor ich dazu gekommen bin, hat mich Julia vom Verlag selbst angeschrieben und gefragt, ob ich an einer Zusammenarbeit interessiert wäre. Ich war megahappy und bin es immer noch.

4.) Basieren deine Figuren (äußerlich und/oder Charaktereigenschaften) und/oder Geschichten auf realen Vorbildern/Ereignissen?

Einzelne Aspekte sicherlich immer. Ich habe die Theorie, dass ein Mensch ohne Input nicht kreativ sein kann. Man braucht immer Dinge, die einen inspirieren. Manche brauchen mehr Input, manche weniger. Ich brauche relativ viel Input. Es wäre mir allerdings auch zu dumm, etwas zu kopieren. Ich will schon jemand Neues schaffen, wenn ich mir einen Charakter ausdenke. Und ich bilde mir auch ein, dass mir das im Detail recht gut gelingt.

Strawberry_Kiss_AC_LelisBei den meisten Charakteren kann ich gar nicht sagen, woher sie gekommen sind. Plötzlich sind sie in meinem Kopf und wollen unbedingt ihre Geschichte loswerden.

Eine Ausnahme sind die beiden Jungs aus Strawberry Kiss: Julian wurde von dem Tänzer Viet Dang inspiriert und Henrik äußerlich von Levi Polter. Aber damit sind die beiden auch unique. Meine anderen Jungs haben nicht so starke Vorbilder.

5.) Welche Bücher hast du zuletzt gelesen?

Zu wenige. Ich komme viel zu selten zum Lesen und dann lese ich auch noch Bücher zum wiederholten Male, die ich eigentlich schon kenne, weil ich da weiß, was mich erwartet und in welche Welt ich damit eintauche.

Hm, also als letztes habe ich den Roman Scarlett gelesen – mir ist gerade bewusste geworden, dass das ja quasi eine Fanfiktion von „Vom Winde verweht“ ist, bei der eine andere Autorin erzählt, wie es mit Scarlett und Rhett weitergeht. Ich hatte mir nämlich den Film angeschaut und brauchte danach noch einmal ein richtiges Happy End.

Und davor habe ich Highland Schnulzen gelesen. Das überkommt mich phasenweise immer wieder und Schuld daran ist die Outlander-Reihe von Diana Gabaldon, die für mich aber einfach unerreicht ist und auch keine Schnulze, sondern einfach nur verdammt gut. Ich liebe Jamie.

Außerdem lese ich die Iron Druid Chronicles von Kevin Hearne, bzw. warte auf das nächste Buch. Genau wie ich auf das nächste Buch von Game of Thrones warte.

Oh, wenn man das so liest, könnte man denken, dass ich gar nicht im eigenen Genre stöbere. Doch das tue ich auch, manchmal sogar auch noch online auf ff.de. Auf der LBM habe ich mir zum Beispiel Zerrspiegel von Raik geholt, das ich schon seit Monaten lesen will.

6.) Denkst du, dass deine Figuren den „üblichen schwulen Klischees“ entsprechen?

Keine Ahnung, sie sind ja doch alle recht unterschiedlich, hoffe ich. Manche entsprechen sicherlich teilweise irgendwelchen Klischees. Es gibt unter ihnen Zicken, Machos, Schlampen, Schüchterne, Draufgänger, Doms, Subs… Aber ich hoffe einfach mal, dass man an ihnen auch immer Aspekte entdecken kann, die sie eben nicht zu Stereotypen machen, sondern sie individuell und facettenreich erscheinen lassen.

Wie gesagt, meistens poppen sie plötzlich in meinem Hirn auf und sind eben so, wie sie sind. Ich überlege da nicht lange, ob sie gerne mit den Händen rudern, wenn sie sprechen oder nicht. Falls sie der Typ dafür sind, dann tun sie es einfach. Für mich ist nur wichtig, dass sie mir so im reellen Leben über den Weg laufen könnten und sie nicht zu unrealistisch oder platt rüber kommen.

Ich habe übrigens eine leichte Abneigung gegenüber „Chicks with Dicks“. Also sind meine Männer charakterlich natürlich so geformt, dass ich sie selbst attraktiv finde.

7.) Planst du deine Geschichten vorher oder entstehen sie während des Schreibens?

Soehne_der_Suende_AC_LelisIch mag es, wenn ich selbst von der Entwicklung überrascht werde, aber ich brauche schon einen roten Faden, an dem ich mich entlanghangle. Zu viel Planen statt Schreiben liegt mir aber nicht. Wenn eine Geschichte von hinten bis vorne ins Detail durchgeplant ist, wird das Schreiben für mich zu einer Art Abarbeiten, anstatt zu einem Erlebnis.

Ich mag es daher schon lieber, wenn ich mehr Freiraum habe, damit sich die Charaktere selbstständig entfalten können, doch auch dabei ist es gut zu wissen, wohin man möchte. Also mache ich wohl eine Mischung aus beidem.

8.) Warum veröffentlichst du bei Verlagen und nicht als Selfpublisher?

Von jeher spezialisieren sich Menschen in ihren Tätigkeiten. Manche bauen Pfeilspitzen, weil sie es besonders gut können, manche gehen damit jagen, die anderen sammeln und wieder andere kümmern sich um die Kinder.

Ich schreibe. Das ist es, worauf ich mich auch weiter konzentrieren und spezialisieren möchte. Ich sorge für die Geschichte, einen Roman machen die Leute daraus, die sich wiederum darauf spezialisiert haben. Und dazu gehört eine ganze Menge, was von neuen „Autoren“ gerne unterschätzt wird. Wenn ich für ein Buch Geld ausgebe, muss es gewissen Ansprüchen genügen und diese Ansprüche stelle ich auch an mich selbst.

Zudem schätze ich den professionellen Input (Unterstützung, Vorschläge, Hilfestellung, Motivation, Lektorat, Korrektorat, Lob, Kritik, Marketing, Reichweite, Grafiker, Layout, Satz etc. pp.) durch Leute vom Fach, die sich darauf spezialisiert haben. Es hat natürlich auch Vorteile, SP zu sein, aber ehrlich gesagt, sehe ich die für mich nicht, weil ich sehr zufrieden mit Cursed bin und viel Mitbestimmungsrecht habe.

Hut ab vor allen SPlern, die es schaffen, am Ende ein qualitativ hochwertiges Buch herauszubringen. Meiner Meinung nach sind es aktuell eher Ausnahmen unter der ganzen Flut an SP-Veröffentlichungen. Ich traue es mir nicht zu und möchte es auch nicht probieren, solange es sich vermeiden lässt und ich weiterhin Verlage finde, die meine Geschichten veröffentlichen wollen.

Es ist verdammt schade, dass viele neue SPler versuchen, mit ihrer ersten Geschichte gleich das große Geld zu machen, ohne wirklich zu wissen, was dazu nötig ist. Ich rate jedem, seine Werke erst einmal ins Internet einzustellen, bzw. an einen Verlag zu schicken, um Feedback zu bekommen und sich zu verbessern.

Leider geht diese Feedback-Kultur aktuell immer weiter zurück; woran es liegt, kann ich nicht mit Gewissheit sagen, aber ich finde es sehr, sehr schade und es bereitet mir auch ein wenig Sorge, den ich heiße die momentane Entwicklung nicht gut.

9.) Welche deiner Geschichten hat für dich die größte Bedeutung? Welche war für dich am schwierigsten zu schreiben?

suboptimal_AC_LelisWahrscheinlich würde ich diese Frage jeden Tag anders beantworten. Heute sage ich Verwehrte Hoffnung. Morgen entscheide ich mich vielleicht für Vorsicht Nachsicht oder [sub]optimal.

Jede meiner Geschichten liegt mir sehr am Herzen und es fällt mir schwer, eine herauszupicken, die mir besonders viel bedeutet. Oft ist es die, an der ich gerade schreibe, die ich für besonders bedeutsam halte. Sonst würde ich sie nicht zu Ende schreiben.

Generell am schwierigsten sind Geschichten zu schreiben, bei denen irgendetwas fehlt und ich noch nicht weiß, was es ist. Ein anderer Grund ist auch, dass meine eigene Stimmung nicht zu der in der Geschichte passt. Dann vertage ich das Weiterschreiben lieber, bis es wieder passt, als dass ich etwas erzwinge. Erzwungene Geschichten sind nämlich selten gut.

10.) Wie wichtig ist für dich Recherche? Wie gehst du dabei vor?

Ich bleibe meistens in vertrauten Gewässern, sodass ich mir nichts komplett neu anlesen muss. Dafür hätte ich wahrscheinlich keine Zeit und Muße, denn ich halte Recherche für sehr wichtig und sehe sie als festen Bestandteil des Schreibens. Ich würde nichts schreiben, von dem ich so gar keine Ahnung habe.

Grobe Fakten zu recherchieren, ist meist recht einfach und geht schnell. Schwieriger ist es, die kleinen Details herauszufinden, die eine Geschichte erst realistisch erscheinen lassen. Das ist manchmal echt zum verrückt werden, wenn man z.B. ewig nach irgendwelchen Beispielen für Schichtpläne bestimmter Berufsgruppen sucht und nichts findet.

Was ich für mich festgestellt habe, ist, dass mir Fachliteratur selten wirklich weiterhilft. Es bringt mir zum Beispiel nicht viel zu wissen, was genau die Ursachen von z.B. einer bestimmten Vorliebe oder einem speziellen Handicap sind. Was mir für so einen Charakter wirklich weiterhilft, sind Erfahrungsberichte von Menschen, die davon betroffen sind, und eventuell Familienangehörigen.

Ich treibe mich daher oft in Foren oder auf Blogs herum, wenn ich mich zu einem solchen Thema schlau lese. Es geht mir eher darum, wirklich zu verstehen und zu fühlen, wie es ist, als zu verstehen, was anlage- und umweltbedingte Ursachen sein könnten. Fakten sind dabei manchmal gar nicht so wichtig, weil die Charaktere sich ja auch nicht unbedingt in Fachliteratur gewälzt haben, sondern einfach nur sind, wie sie sind.

Vielen Dank an A.C. Lelis, dass du dir die Zeit für das kleine Interview genommen hast!

Alle Bücher von Lelis findet ihr bei uns im Shop, ihre freien Online-Geschichten gesammelt bei fanfiktion.de. Wenn ihr noch mehr über Lelis erfahren wollt, könnt ihr euch mit ihr über Facebook vernetzen oder ihrem Blog folgen.

Nächste Woche wird euch an dieser Stelle, wie angekündigt, Rona Cole Rede und Antwort stehen, bevor ihr in der Woche darauf Karo Stein mit Fragen löchern könnt.

Die Fragerunde für Karo Stein ist ab heute eröffnet.

Wir freuen uns auf nächste Woche!

Bildnachweis: Das Beitragsbild stammt von condesign/Pixabay

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